Kurzstudie: So (un)wichtig ist der Zinsgutschriftintervall

Alle Tagesgeldkunden interessiert nur eins: möglichst hohe Zinserträge für flexibel geparktes Geld. Hierbei ist vor allem der Nominalzins die vergleichende Größe. Doch dieser kann vom Realzins abweichen. Ob es sich lohnt auf dem Intervall der Zinsgutschrift seine Entscheidung zu stützen erfahren Sie hier.

Ein Tagesgeldkonto ist ideal für Menschen, die kleine bis mittelgroße Beträge kurzfristig anlegen und trotzdem im Zweifelsfall jederzeit über das Geld verfügen möchten. Dabei ist nicht nur die sichere Verwahrung auf der Bank entscheidend, sondern natürlich auch der Anlagezins, den die entsprechende Bank dem Kapitalanleger gewährt. Dieser Zins wird als Nominalzins bei jeder Bank in großen Lettern angeworben und in der Regel gilt hierbei: wer den höchsten Zinssatz ausschreibt gewinnt die Gunst des Kunden. Doch eine Sache wird häufig vom Anleger übersehen: Die Information über die Häufigkeit der Zinsgutschriften. Wir haben uns dieser Problematik angenommen und wollten anhand einer Beispielrechnung wissen: Wie wichtig ist eine häufige Zinsgutschrift?

 

Versuchsanordnung

Unser fiktiver Anleger Klaus Kabinski hat 20.000 Euro, welche er für 3 Jahre flexibel auf einem Tagesgeldkonto anlegen möchte. Hierzu bieten sich drei Banken (Bank A, Bank B, Bank C) an, welche mit gleichem Zinssatz werben (2,00% p.a. nominal). Zusätzlich zu dieser Zinskonditionen bieten alle drei Banken unterschiedliche Zinsgutschriftintervalle an. Während Bank A alle drei Monate den Zins auf dem Tagesgeldkonto gutschreibt, bietet Bank B eine Gutschrift alle 6 Monate. Bank C wiederum gewährt die Zinsgutschrift sogar nur einmal im Jahr. Klaus Kabinski zögert: Die Banken A und B werben zwar plakativ mit ihren Gutschriftintervallen, aber bieten sie dadurch überhaupt einen signifikant höheren Zinsertrag? Er beginnt zu rechnen.

 

Die Rechnung

Es bestehen zwei feste Größen (Startbetrag und Nominalzinssatz) und eine variable Größe (Gutschriftenintervall). Da der Nominalzins immer gleich ist, und immer p.a. ("per annum"), also pro Jahr angegeben wird handelt es sich bei einen Jahr um Faktor 1. Im Falle einer Gutschrift nach jedem dritten Monat muss das Kapital viermal im Jahr ausgezahlt werden (12 / 3 = 4). Daraus ergibt sich eine Gutschrift über ein viertel des Nominalzinses. Die komplette Formel hierzu lautet also:

(1 + (ZINSSATZ / (12 / INTERVALL)) * AKTUELLER BETRAG

Aus dieser Formel errechnet sich jeweils der Betrag bei den Banken, wie die untere Tabelle zeigt:

Zinseszinsrechnung Tagesgeld

 

Das Ergebnis

Damit hätte Klaus nicht gerechnet. Trotz häufiger Gutschrift und wiederverzinsung dieser Gutschrift ist die Differenz zwischen den Endbeträgen nur als marginal anzusehen. Nach seiner Rechnung erhält Klaus in günstigsten Fall 1.233,56 €, in ungünstigsten Fall immernoch 1.224,16 € und verliert so in den vorgesehenen drei Jahren lediglich knapp 10 € Zinsertrag, wenn er die Bank mit jährlicher Zinszahlung wählt. So beschließt er die Zinseszinsrechnung für seine Kontenwahl nicht in Betracht zu ziehen und stattdessen weiterhin vor allem auf den nominalen Zins zu achten.

 

Weitere Auswahlkriterien beachten

Es sollte jedoch trotzdem nicht unbedingt das Anlagekonto mit der höchsten Verzinsung gewählt werden. Denn es gibt noch andere Dinge, auf die man bei einem Tagesgeldkonto achten sollte: Hier sollten vor allem die Einlagensicherungen beachtet werden, die von Land zu Land und von Bank zu Bank unterschiedlich sind.